Soja – Globale Mengenverteilung und Mengenströme

Durch den weltweiten Anstieg des Soja- bzw. Eiweißfuttermittel-Bedarfs und den fast ausschließlich südamerikanischen Export entstanden über die letzten Jahrzehnte gefährliche Ungleichgewichte. Um dem zu begegnen müssen Wege gefunden werden, zumindest teilweise eine regionale Eiweißversorgung aufzubauen.

Die weltweiten Sojaernten betragen üblicherweise zwischen 270–290 Mio t. Die USA (35%), Brasilien (25%), Argentinien (25%) sind mit großem Abstand die Haupterzeugerländer. Daneben gibt es Sojaanbau u.a. auch in Paraguay, Indien, Kanada, Bolivien, Uruguay und begrenzt in der EU.

Entwicklung der Sojaimporte weltweit

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Die größten Importeure von Sojaprodukten – Zahlen in Millionen Tonnen
(Quelle: https://ooe.lko.at/soja-eine-kulturpflanze-mit-geschichte-und-zukunft+2500+1561259)

Die größten Soja-Anbauländer der EU sind Italien, Serbien, Frankreich, Rumänien, Österreich! und Ungarn. Mit den ca. 1 Mio t in der EU geernteten Sojabohnen können wir gerade einmal 2-3% des EU-weiten Bedarfes decken, die restlichen ca. 35 Mio t müssen importiert werden. Betrachtet man die Entwicklung des Sojabedarfes in aufstrebenden Ländern wie China (bis ca. 1990 nahezu kein Import, 2013 fast die doppelte Menge des EU-Verbrauchs, sprich 70 Mio t) kann diese massive Importabhängigkeit von Europa auf Dauer durchaus problematisch werden.

Sieht man sich die weltweiten Soja-Handelsströme an, wird sehr schnell klar, dass sich hinter dem zweitgrößten Importeur „Rest of World“ fast ausschließlich Europa verbirgt.

Handelsströme Sojabohnen

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Sojabohnen – Handelsströme (Quelle: http://www.transgen.de)

 

Sojaanbau – Anbaufläche von GV (gentechnisch verändert) Soja

Verstärkend zur Problematik des stetig steigenden Sojabedarfes in China kommt hinzu, dass der steigende Bedarf an GVO-freien Sojabohnen in Europa einem tendentiell fallenden Angebot gegenübersteht.

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Anteil GVO Soja – Anbau (Quelle: http://www.transgen.de)

Selbst in Brasilien, einem der Länder mit der größten GVO-freien Anbaufläche für Sojabohnen, liegt der Anteil nur noch bei 10% – Tendenz fallend.

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Sojaanbau in Brasilien (Quelle: http://www.transgen.de)

GVO-freie Sojabohnen aus Brasilien für Europa

Durch Kontamination mit GVO-Soja und dem Export in andere Regionen, bleiben von den brasilianischen GVO-freien Sojabohnen nur noch ca. die übrig.

Sojaproduktion Brasilien (http://www.oekosozial.at/)
Sojaproduktion Brasilien (http://www.oekosozial.at/)

Die Preisdifferenz zwischen GVO und GVO-freien Sojaschrot

Die Preisdifferenz zwischen GVO und GVO-freien Sojaschrot ist die letzten Jahre deutlich angestiegen und scheinen sich auf hohem Niveau zu stabilisieren.

Preisentwicklung-GMO-non-GMO
Sojaschrot – Einkaufspreise GMO/non GMO
(https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Landwirtschaft/Pflanze/GrueneGentechnik/TInichtgentSojaBrasilien.pdf?__blob=publicationFile)

So stellt sich insgesamt die Frage, wie lange wir den immer stärker werdenden Wunsch nach gentechnikfrei erzeugten Lebensmitteln noch erfüllen können!?

Diese ungleiche Verteilung des Sojaanbaus gegenüber dem Verbrauch hat auch eine ganze Menge Folgen für die Gesellschaft und die Umwelt.

Sehr befremdlich ist zum Beispiel, dass Brasilien, als eines der größten Agrarerzeuger- und Sojaanbauländer gleichzeitig die meisten hungernden Menschen beheimatet. Darüber hinaus wird seit den 1970er Jahren konsequent tropischer Regenwald (Amazonas) wegen Sojaanbau für Europa und Asien gerodet!

Abholzung Amazonas Regenwald (http://www.abenteuer-regenwald.de/bedrohungen/fleisch)
Abholzung Amazonas Regenwald (http://www.abenteuer-regenwald.de/bedrohungen/fleisch)

Interessanterweise wird meistens nur von Regenwaldabholzung für Palmöl gesprochen, die Thematik mit Import-Soja ist in den Medien eher selten zu finden. Über die etwas zweifelhaften Umweltstandards, unter denen in Südamerika Sojaanbau betrieben wird, sollte sich jeder, der sich mit diesem Thema beschäftigt, einmal auseinandergesetzt und informiert haben. (Siehe u.a. unter „Grüne“ Gentechnik, Glyphosat).

Wenn wir nicht so schnell wie möglich unsere Eigenversorgung mit Soja steigern, haben wir langfristig nur noch die Wahl zwischen einem Umstieg zurück auf GVO-Soja oder nahezu unbezahlbare wirklich gentechnikfrei hergestellte Lebensmittel.

Der einzige Weg letzterem zu begegnen ist, den eigenen Bedarf so weit wie möglich mit heimischen Eiweißfuttermitteln decken! Um dem Ideal – einer vollständigen Eigenversorgung – näher zu kommen sehe ich einen 4-teiligen Lösungsansatz:

  • Reduzierung des Fleischkonsums in den westlichen Nationen
  • Die Reduzierung des Proteineinsatzes durch weniger intensive Tierfütterung
  • Den heimischen Anbau und die Verarbeitung von Sojabohnen stärken
  • Den Ersatz von Sojaschrot durch andere heimische Eiweißträger wie Rapsschrot, Rapspresskuchen, Sonnenblumenschrot, …