Heimischer Sojaanbau, Regionale Wertschöpfung

Seit Jahrzehnten gibt es einen globalen Trend zu immer stärkerer Spezialisierung, so auch in der Landwirtschaft. Um die reduzierten Deckungsbeiträge kompensieren zu können – hervorgerufen durch eine Verkürzung in der Wertschöpfungskette – wird ständig eine Vergrößerung der Betriebe erforderlich. Eine Rückkehr zu verstärkt regionaler Wertschöpfung bzw. Eigenversorgung bietet dazu eine interessante Alternative.

Leider wird es selbst in vielen Industriebetrieben ignoriert, dass eine Spezialisierung zwangsläufig das Unternehmen anfälliger macht auf Schwankungen in der spezialisierten Branche und außerdem zusätzliche Abhängigkeiten schafft. Die Krisenanfälligkeit kann jedoch deutlich reduziert werden, wenn man z.B. beim Eigenanbau von Getreide nicht so sehr von den oft stark schwankenden Marktpreisen abhängt. Dadurch kann die Kalkulationsbasis für den Betrieb stabilisiert werden und der Veredelungslandwirt immer noch ruhig schlafen, auch wenn Spekulanten wieder an den Kursen Hand anlegen. Ein günstiger Nebeneffekt ist, dass mehr Geld in der Region bleibt und so auf dem Land Arbeitsplätze gesichert werden können.

Speziell bei den Sojabohnen ist der Weg vom Anbauort zum Verbrauchsort meist besonders lang. Sicher fallen die Transportkosten trotzdem nicht so sehr ins Gewicht, weil der Seetransport verhältnismäßig preisgünstig ist. Dennoch besteht ein Kapitalabfluss aus der Region. Auch eine zu starke Abhängigkeit von einem 10.000km entfernten Land könnte sich im Krisenfall als problematisch erweisen. Hinzu kommt noch, dass aufgrund der weiten Entfernung zwischen Anbieter und Nachfrager und aufgrund der Größe der bewegten Menge immer wieder einzelne den Charme entdecken, geschickt ihre Gewinnmargen zu optimieren – was man sehr gut an den ständig häufiger auftretenden Lebens- und Futtermittelskandalen erkennen kann.

Glücklicherweise gibt es zu diesem „Megatrend Globalisierung“ eine immer stärker werdende Gegenbewegung. Ein wohlbekannter Ansatz, um der Abhängigkeit und den sehr langen Transportwegen zu begegnen ist z.B. der Verein Donau Soja. Dieser will dafür sorgen, dass die Sojabohnen nur innerhalb von Ländern im Donauraum transportiert/ausgetauscht werden. So kann der Transportweg der Sojabohnen von gut 10.000km auf ca. maximal 2.000km reduziert werden. Mehr Informationen finden Sie auf http://www.donausoja.org

Die stetig steigende Zahl an Lebensmittelskandalen sensibilisiert zusehends auch die Konsumenten. So steigt der Wunsch nach einem stärkeren Regionalitätsbegriff, den der Verbraucher ohne großen Aufwand selber nachprüfen kann. Am Erfolg von Bauernläden, Bauernmärkten, Direktvermarktern und regionalen Spezialitäten kann man dies sehr gut ablesen. Regionalität punktet heutzutage wesentlich stärker als der Dschungel an Gütesiegeln, den keiner mehr nachvollziehen kann und will.

Gerade bei regionalen Erfolgsmodellen für tierische Erzeugnisse steht man vor dem Problem der „Regionalen Eiweißlücke“. Der einzige Weg diese zu schließen ist eine regionale Anbau- und Verarbeitungsstruktur für Sojabohnen.

Aus eigenen Erfahrungen mit der Gemeinschaft Salzachöl sehe ich, dass die regionale Verarbeitung der Sojabohnen zu hochwertigen Futtermitteln den Sojaanbau in der Region massiv vorantreibt. Die Gemeinschaft besteht seit 2006 und wurde mit ca. 20 Mitgliedern ursprünglich für Rapsverarbeitung gegründet. Ab 2010 – mit der Erweiterung für Soja – explodierte die Mitgliederzahl auf aktuell fast 90 und wächst stetig weiter.

So muss man sich beim Start eines ähnlichen Projektes keine großen Gedanken machen falls zunächst die Auslastung der Anlage nicht wünschenswert aussieht.

Nur durch echte Regionalität kann sich der Landwirt und der Konsument gegen Betrugsskandale bei Lebens- und Futtermitteln schützen – denn Betrug lohnt sich nicht in überschaubaren Strukturen!

Darüber hinaus ebnet der Sojaanbau für Eigenversorgung den Weg zu nachhaltig steigenden Sojaanbauflächen. Der Grund hierfür ist, dass bisher meist nach Deckungsbeitragssituation (die ohnehin durch die stark schwankenden Weltmarktpreise an Kaffeesatzleserei grenzt) entschieden wird, welche Kultur angebaut wird. Diese Anbauentscheidung kann dann durch eine viel vernünftigere – nach dem eigenen Bedarf – erfolgen.

Nur eine dezentrale Verarbeitungsstruktur ermöglicht den Landwirten vor Ort die Früchte ihrer Arbeit zu hochwertigen Produkten weiter veredeln können und gleichzeitig die Marktschwankungen bei den Futterkosten weitgehend vernachlässigen können.